Mittwoch, 21. Januar 2026

Parkflächen in Kölner Viertel nicht ausgelastet

Parkflächen in Kölner Viertel nicht ausgelastet

Eine Studie des Parkplatzvermittlers ampido kommt zu dem Ergebnis, dass vorhandene halb-öffentliche und private Stellplätze häufig leer stehen. Laut der Untersuchung in einem Kölner Stadtviertel sind die Parkflächen dort nur zu 30 Prozent ausgelastet.

„Wir haben kein Parkplatzproblem, wir haben ein Verteilungsproblem“, sagt Yasotharan Pakasathanan, Gründer und Geschäftsführer der ampido GmbH. Nach seiner Aussage gibt es in Deutschland 160 Millionen Parkplätze, also rund 2,6 Stellplätze pro zugelassenem Kraftfahrzeug, von denen es insgesamt 60,7 Millionen hierzulande gibt. Nimmt man nur die 49,1 Millionen zugelassene Pkw, ergibt sich sogar ein Schnitt von 3,3 Stellplätzen je Auto. „Trotzdem gehöt eine schier endlose und nervenzehrende Parkplatzsuche in vielen Städten zum Alltag“, schreibt Pakasathanan auf LinkedIn.

Nach Auffassung des ampido-Gründers bleiben viele Stellflächen temporär frei, beispielsweise tagsüber leerstehende Tiefgaragen in Wohngebieten sowie abends und nachts Firmen- oder Supermarktparkplätze. Er plädiert dafür, den vorhandenen Raum intelligenter zu nutzen. Hier setzt ampido mit einer digitalen Plattform an. Diese ermöglicht es, ungenutzte Parkplätze flexibel zur Verfügung zu stellen – für Unternehmen, Kommunen und Privatpersonen.

Untersuchung im Agnesviertel

Erst kürzlich veröffentlichte ampido eine selbst durchgeführte Studie mit dem Titel „Eine systemische Analyse der Verfügbarkeit, Auslastung und des Mehrfachnutzungspotenzials nicht öffentlicher Stellplätze im Kölner Agnesviertel“. Diese zeige klar: „Die koordinierte Mehrfachnutzung privater und halb-öffentlicher Stellplätze stellt einen bislang unterschätzten, aber zentralen Hebel für eine nachhaltige, effizientere und sozial ausgewogenere Parkraumstrategie in verdichteten Stadtquartieren dar.“ Fachlich unterstützt wurde ampido durch Prof. Dr.-Ing. Volker Blees, der eine Professur für „Verkehrswesen“ an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden innehat.

Ein Ziel der Untersuchung war es, die Potenziale privater und halb-öffentlicher Stellplätze zu analysieren. Im ersten Schritt wurde eine differenzierte Typologie der vorhandenen Stellplatzarten erarbeitet. Durch Zählungen vor Ort wurden Stellplätze in Tiefgaragen, Innenhöfen und auf rückwärtigen Grundstücksflächen sowie halböffentliche Stellplätze auf Gewerbe- und Dienstleistungsgrundstücken identifiziert. Insgesamt fand die ampido-Autorin Carolin Schlering rund 1.900 solcher Flächen im Untersuchungsgebiet.

Auslastung dokumentiert

In einem zweiten Schritt wurde die tatsächliche Nutzungssituation exemplarisch an sieben ausgewählten Standorten zu unterschiedlichen Tageszeiten erhoben. Ergebnis: Unabhängig von Tageszeit, Wochentag oder Gebäudetyp blieb ein Großteil der Flächen ungenutzt. Im gewichteten Mittel waren rund 68 Prozent oder sieben von zehn der verfügbaren Stellplätze leerstehend – mit nur geringen tageszeitlichen Schwankungen.

Großes Potenzial für Mehrfachnutzung

Daraus ergebe sich ein erhebliches Potenzial für eine koordinierte Mehrfachnutzung: Selbst bei konservativer Schätzung, so ampido, könnten im Agnesviertel mindestens 995 Stellplätze kurzfristig für eine alternative Nutzung aktiviert werden. Im realistischen Szenario liege das Potenzial bei 1.148 Stellplätzen, im maximalen Fall sogar bei über 1.302 Flächen. Diese Reserven bestünden ohne jeglichen baulichen Eingriff. Besonders relevant ist in diesem Zusammenhang, dass der geplante Rückbau öffentlicher Stellplätze in der Umgebung dadurch vollständig kompensiert werden könnte. So entstünde zusätzlicher Raum für Radverkehr, Aufenthaltsqualität, Begrünung und klimagerechte Stadtgestaltung – ohne Einbußen bei der Erreichbarkeit mit dem Auto.

Vor diesem Hintergrund lassen sich laut dem Autoren-Team auch stadtplanerische Schlussfolgerungen ableiten. Private und halb-öffentliche Stellplätze sollten künftig systematisch in integrierte Parkraumbewirtschaftungskonzepte einbezogen werden.

Zusammenfassend kommt die Studie zum Schluss: „Die koordinierte Mehrfachnutzung bestehender Stellplatzressourcen ist nicht nur technisch möglich und wirtschaftlich tragfähig – sie ist ein praxisnaher, sofort umsetzbarer Baustein für eine resiliente, flächensparende und sozial gerechte Stadtentwicklung. Ihre breite Anwendung kann einen entscheidenden Beitrag zur Mobilitätswende leisten – nicht nur im Agnesviertel, sondern überall dort, wo die Fläche zu knapp für neue Lösungen, aber zu wertvoll für Verschwendung ist.“

Parkende Autos in einem Kölner Stadtviertel. Eine Studie von ampido untersuchte das Potenzial auf halb-öffentlichen und privaten Stellflächen.
© BalkansCat/Shutterstock.com

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