Interview mit Heidi Wildemann und Giuliano Caldo von Arrive
Arrive Germany, einer der führenden internationalen Anbieter von digitalen Mobilitätslösungen mit Marken wie EasyPark, hat Heidi Wildemann zur neuen Geschäftsführerin für den deutschen Markt ernannt. Giuliano Caldo, Leiter Süd- und Mitteleuropa bei Arrive, ist für Deutschland, Österreich, die Schweiz, Italien, Spanien und Portugal verantwortlich. Wir haben mit beiden während der Messe PARKEN 2025 in Wiesbaden gesprochen.
Hallo zusammen, können Sie uns ein wenig über sich erzählen?
Heidi Wildemann (H.W.): Ich bin Heidi, komme ursprünglich aus dem Bankwesen, arbeite aber seit zehn Jahren in Scale-up-Unter-nehmen in ganz Europa. Daher bin ich von der sehr internationalen Struktur von Arrive wirklich begeistert, denn das ist genau das, was ich mag und womit ich mich wohlfühle. Gleichzeitig kann ich in meinem Heimatmarkt verankert bleiben. Ich war früher Leiterin der Finanzabteilung und des operativen Geschäfts- und Betriebsabteilung und später Geschäftsführerin von ParkNow in Deutschland. Arrive, ehemals EasyPark Group, habe ich kennengelernt, als sie ParkNow übernommen haben. Dabei haben wir beschlossen, in Kontakt zu bleiben.
Von wo aus arbeiten Sie?
H.W.: Ich selbst arbeite aus unserem Büro in Berlin, aber wir haben aktuell auch Standorte in Hannover und Kiel. Ich versuche, so oft wie möglich dort vor Ort zu sein und natürlich auch unsere Kunden zu besuchen. Momentan bin ich viel unterwegs.
Und Sie, Giuliano?
Giuliano Caldo (G.C.): Ich bin in Rom zuhause und gehe entweder zu Fuß zur Arbeit oder nehme das Flugzeug, da ich für Deutschland, Österreich, die Schweiz, Italien, Spanien und Portugal verantwortlich bin. Ich bin auch Country Manager für Italien und habe die Aufsicht über die Country Manager in den anderen Ländern, bin also auch ziemlich viel auf Reisen. Für mich ist es eine großartige Erfahrung, etwas Neues zu lernen, über andere Kulturen und insbesondere über die Dinge, die in Deutschland funktionieren. Das sage ich nicht über jedes Land. Aber ich habe hier viel darüber gelernt, wie man die Arbeit angeht und wie ernsthaft und gründlich die Menschen in diesem Arbeitsumfeld sind. Ich bin wirklich froh, mit euch zusammenarbeiten zu dürfen.
EasyPark ist eine so bekannte Marke, warum dieser Wechsel -zur neuen Marke Arrive?
G.C.: EasyPark ist eine sehr bekannte Marke in Deutschland und in vielen Ländern der Welt. Aber sie ist sehr spezifisch auf das Parken ausgerichtet. Jetzt sind wir in einer Situation, in der wir tatsächlich über mehrere Technologien verfügen, die nicht nur mit dem Parken zu tun haben, sondern auch mit Zahlungsvorgängen, Transport und modernen Dienstleistungen für Städte. Deshalb wollten wir uns -etwas überlegen, das mehr mit Mobilität als mit Parken zu tun hat. Arrive bedeutet, man kommt ans Ziel, man kommt irgendwo an. Man kann mit dem Auto ankommen, man kann mit dem Bus ankommen – wir haben auch Lösungen für das Bezahlen in Bussen oder in der U-Bahn. Das ist also ein Teil unseres Kundenversprechens.
Sie betonen also, dass Sie mehr anbieten als Parken?
G.C.: Ja, und es hat auch einen technologischen Aspekt. Technologie ermöglicht eine sofortige Erfüllung von Bedürfnissen, sie hilft einem beim Ankommen.
Experten weisen ja auch oft darauf hin, dass Menschen nicht ‚Parken gehen‘, sondern zum Einkaufen oder andere Aktivitäten bezwecken.
G.C.: Parken ist eine sehr komplexe Angelegenheit. Aber man geht in der Tat nicht nur Parken. Daher muss das Parkerlebnis so reibungslos, so einfach und so schmerzfrei wie möglich sein. Unser Anspruch ist, Städte lebenswerter zu machen. Dabei nutzen wir eine Vielzahl von Technologien mit Hunderten von Millionen Transaktionen pro Jahr, die in den 20.000 Städten, in denen wir weltweit tätig sind, analysiert werden können. Diese internationalen Erfahrungen können wir dann auf lokaler Ebene anwenden, um sie in Städten wie Baden-Baden, Frankfurt, Berlin oder anderen Städten in Deutschland einzusetzen.
Welche praktischen Konsequenzen hat Ihre Namensänderung?
G.C.: Kunden in Deutschland parken weiterhin mit EasyPark. Wir ändern das EasyPark-Logo nicht, da die Marke gut etabliert ist. Alles andere wird unter Arrive fallen, eine Dachmarke für das gesamte Unternehmen, die für die meisten Marken außer EasyPark stehen wird. Wir versuchen, praktisch alle Technologien und Prozesse sowie die Unternehmen zu integrieren. Es gab Flowbird Deutschland, es gab EasyPark Deutschland, jetzt ist Heidi die Geschäftsführerin beider Unternehmen in dieser integrierten Form.
H.W.: Genauso wie Verbraucher sich nicht mit den Komplexitäten der Reiseplanung und der Parktechnologie beschäftigen wollen, gilt dies auch für unsere Partner. Sie möchten das Leben in ihren Städten für ihre Bürger verbessern, und das können wir ihnen jetzt alles bieten. Sie müssen nicht mehr zu einem Unternehmen für Parkscheinautomaten gehen, zu einem anderen Unternehmen für Daten und wieder zu einem anderen für digitale Zahlungen. Wir können nun das gesamte Tool-Set anbieten und möchten der zuverlässige Partner für alle diese Lösungen sein – auch, um unseren Partnern die Herausforderungen bei der Verwaltung von Mobilität und der Erreichung von städtischen Zielen zu erleichtern.
Haben Sie deshalb in den letzten Monaten mit der Übernahme von Flowbird, Parkopedia und weiteren Unternehmen so stark investiert?
G.C.: Ja, wir investieren sowohl in Unternehmen als auch in Software. Wir haben mehr als 4.000 Mitarbeiter, von denen mindestens die Hälfte als Entwickler oder in der IT tätig sind. Das ist im Wesentlichen dem Parken, dem Verkehr und der Mobilität gewidmet. Denn wir sehen, dass es eine Menge komplexer Sonderfälle gibt, allein schon, wenn man in einem Parkhaus parkt. Dafür benötigt man viele Köpfe.
Was ist dabei Ihr Ziel?
G.C.: Unser Ziel ist es, das Leben der Menschen auf sehr praktische Weise zu vereinfachen, nicht nur beim Parken, sondern auch in Bezug auf Mobilität.
Regeln und Vorschriften variieren von Land zu Land. Wie gehen Sie als internationales Unternehmen damit um?
H.W.: Das ist natürlich eine Herausforderung, aber es birgt auch Chancen. Wenn ich ein Problem auf dem deutschen Markt habe, kann ich auf unsere internationale Organisation zurückgreifen. Einer meiner vielen Kollegen in einem anderen Land hatte vielleicht schon einmal eine ähnliche Problemstellung oder kann zumindest mit mir gemeinsam über eine Lösung nachdenken. Gerade auf dem deutschen Markt sehen wir derzeit viele Trends, die im internationalen Kontext bereits stärker verbreitet sind.
Können Sie ein Beispiel nennen?
H.W.: Beispielsweise Scan-Cars, mit denen sich Parkscheinkontrollen viel effizienter und kostengünstiger durchführen lassen. Auf dem deutschen Markt gibt es dafür bislang noch kaum Gesetzgebung, die das ermöglicht. Aber wir hören von unseren deutschen Partnerstädten, dass sie diesen Trend im Ausland beobachten und sehr daran interessiert sind, da es überall an Fachkräften für die Parkraumüberwachung mangelt. Das ist eine der Problemstellungen, bei deren Lösung wir helfen können.
Ist es auch die Vision von Arrive, in allen Ländern, in denen Sie präsent sind, Marktführer zu werden?
H.W.: Es ist unser Ziel, der zuverlässigste Partner zu werden, an den sich die Stadt wendet, wenn es um die Umsetzung ihrer Mobilitätspläne geht. Wir wollen eine Lösung für jedes Problem haben, das Partnerstädte in diesem Bereich haben.
G.C.: Da stimme ich absolut zu. Wir stehen im Dienst der Stadt und ihrer Bürger. Das ist unsere Mission. Gemeinsam machen wir Städte lebenswerter. Wir existieren nicht für uns allein, sondern durch die enge Zusammenarbeit mit Städten und anderen Technologie-anbietern.
H.W.: Smart Parking ist ebenfalls ein wichtiger Punkt. Die Plattform des offenen Marktmodells für Handyparken, die wir in vielen deutschen Städten haben – bei denen Kunden die Wahl haben, welche Park-App sie nutzen möchten –, spielt ebenfalls in diesen partnerschaftlichen Ansatz hinein.
Vor einigen Jahren war EasyPark hauptsächlich im On-Street-Bereich tätig. Jetzt bestehen Partnerschaften mit Parkhausbetreibern. Verfolgen Sie die Strategie, in den Off-Street-Markt einzusteigen?
H.W.: Auf jeden Fall. Das gehört zu unserem multimodalen Konzept. Es ergibt keinen Sinn, wenn man eine App für das Parken in einem Parkhaus und eine andere für das Parken auf der Straße benötigt. Dann fährt man in die nächste Stadt und braucht womöglich eine dritte App. Daher sind private Betreiber und Parkhäuser ein Bereich, in den wir ebenfalls investieren. Wir haben international festgestellt, dass es möglich ist, den gesamten Markt zu erschließen, sobald man eine bestimmte Abdeckung von Straßenparkplätzen in einem bestimmten Gebiet erreicht hat. Und jetzt verfügen wir zusätzlich noch über die Parkscheinautomaten in unserem Portfolio und können unsere Lösungen immer weiter integrieren.
Aber ist es nicht das Ziel, Parkscheinautomaten in absehbarer Zeit – so in den nächsten zehn Jahren – ganz abzuschaffen?
H.W.: Ich denke, dass Parkscheinautomaten vorerst ein wesentlicher Bestandteil des Parkens bleiben werden. Wir sehen, dass es zwar – in Großbritannien zum Beispiel – eine gewisse Entwicklung weg von physischen Automaten gibt. Aber nach deutschem Recht sind Parkscheinautomaten beispielsweise immer noch vorgeschrieben, denn der Bürger darf per Gesetz nicht durch ein eingeschränktes Angebot an Bezahlmethoden diskriminiert werden.
Ich glaube, dass alle 100 oder 200 Meter ein Parkscheinautomat für Menschen vorhanden sein muss, die keine Möglichkeit haben, ein Smartphone zu benutzen.
H.W.: Genau, der Mix wird sich in den nächsten Jahren vielleicht verändern, aber Parkscheinautomaten werden ein Teil dieses Mix bleiben und genau deswegen haben wir auch in Flowbird investiert.
G.C.: Und es besteht die Möglichkeit, die Hardware weiter zu digitalisieren. Mittlerweile sind die Terminals, an denen man für das Parken bezahlt, nicht nur Schlitze, in die man eine Münze einwirft. Da gibt es nicht selten einen 10-Zoll-Touchscreen, auf dem man zum Beispiel Informationen über ein Konzert erhalten kann oder über den man andere Dinge als Parkplätze kaufen kann.
Letzte Frage: Wie gefällt Ihnen die Messe PARKEN 2025?
H.W.: Sie ist großartig. Da ich seit ein paar Jahren nicht mehr in der Parken-Branche tätig war, bietet sie eine gute Gelegenheit, bekannte Gesichter wiederzusehen, aber auch viele neue Menschen kennenzulernen. Außerdem habe ich hier die Möglichkeit, mit dem Team zusammen zu sein. Ich finde, es gibt viele wirklich gute Präsentationen, und ich empfinde die Parken-Branche im Allgemeinen als sehr kooperativ. Hier sind auch viele unserer Partner, nicht nur Konkurrenten.
G.C.: Ich liebe Technologie. Hier werden so viele Dinge erfunden, getestet und präsentiert, die noch gar nicht im Alltag eingeführt sind. Die Zukunft ist bereits zu erkennen. Wir müssen nur sicherstellen, dass die vorhandene Technologie weltweit genutzt wird. Mit all diesen Lösungen blicke ich sehr optimistisch in die Zukunft.
Das Interview führte Marko Ruh, Chefredakteur von Parken aktuell
Heidi Wildemann, Geschäftsführerin Arrive Deutschland
© Arrive



