Montag, 19. Januar 2026

Alles über Kennzeichenerkennung

Interview mit Katrin Teichert, APCOA Deutschland

Seit dem 1. Mai 2023 ist Katrin Teichert Geschäftsführerin von APCOA Deutschland. Wir hatten Gelegenheit, mit ihr über aktuelle Entwicklungen in der Branche, strategische Ansätze im Unternehmen und ihre Ziele zu sprechen.

Marko Ruh: Frau Teichert, wir wollen uns über aktuelle Entwicklungen bei APCOA austauschen. Was sind die Grundlagen?

Katrin Teichert: Wir befinden uns weiter auf einem klaren Strategiepfad und verstärken uns regelmäßig in bestimmten Bereichen. Wie Sie wissen, Herr Ruh, sind wir in Deutschland ein Asset-Light-Unternehmen. Das heißt, unsere Immobilien sind gemietet und wir führen sie Park- und weiteren Nutzungsformen zu.

Können Sie Beispiele nennen?

Durch die aktive Implementierung neuer Park- und Serviceprodukte und weiterer Use Cases. Zum Beispiel werden wir allein hier in Deutschland in diesem Jahr noch einmal circa 200 eigene AC-Ladestationen an den Start bringen, aber auch das Thema Schnellladen weiter ausbauen.

Letzteres gemeinsam mit Partnern, vermute ich.

Wir haben eine bestehende Partnerschaft mit Tesla. Noch nicht live sind wir in der Partnerschaft mit BP Aral, über die in Europa 100 DC-Ladepunkte installiert werden, 30 davon in Deutschland. Wir sind da in den Vorbereitungen und erwarten erste Go-Lives für deutsche Standorte in diesem Jahr. Stand jetzt haben wir bereits 20 Schnellladepunkte mit Tesla in zwei APCOA-Parkhäusern: im Alexa in Berlin zwölf Stück und acht in München-Riem.

Wie sind denn Ihre bisherigen Erfahrungen mit der Nachfrage?

DC wird sehr gut benutzt. Unser Learning ist, dass wir beim AC-Laden sicherstellen müssen, die richtige Anzahl von Ladepunkten anzubieten.

Nicht selten hört man ja, dass Ladestationen eher Spinn-weben ansetzen als rege genutzt zu werden…

Ich sehe das auch regelmäßig, wenn ich mal nicht in einem APCOA Parkhaus parken kann. Einige Häuser haben schon sehr viele Parkplätze mit Ladepunkten ausgestattet. Wir sind da ein bisschen differenzierter unterwegs. Wir versuchen, vorzurüsten – oder der Eigentümer rüstet für größere Mengen vor. Aber wir starten in der Regel mit einer geringeren Zahl von Ladepunkten, um dann zu sehen, ob wir später sukzessive weiter ausbauen.

Das Schnellladen machen sie mit Partnern. Gilt das auch für das AC-Laden?

Wir haben bereits eine Partnerschaft mit E.ON und knapp 140 Ladepunkte über eine ganze Anzahl von Parkhäusern verteilt. Darüber hinaus machen wir es beim AC-Laden auch im Eigenbetrieb.

Ein Riesenthema war bei der Messe PARKEN in Wiesbaden die Kennzeichenerfassung, die offensichtlich alles andere ablöst. Sehen Sie das auch so?

Das kann ich so bestätigen. Wir haben Kennzeichenerkennung heute bereits in eigentlich allen unseren Parkhäusern umgesetzt. Der nächste Schritt ist, dass man irgendwann auch die Schranken wegnimmt und in ein Free-flow-Modell übergeht. Dieses Konzept haben wir bereits an einer zweistelligen Anzahl von Standorten live und waren auch die ersten in Deutschland, die schon vor fünf Jahren hierzu pilotiert haben.

Das Kennzeichen am Automaten einzugeben, ist für manche sicher noch ungewohnt. Erleben Sie im Dialog mit Kunden hier und da noch Nachholbedarf – also ganz konkret bei den Free Flow Anlagen?

Nach unserer Erfahrung muss man das Ganze in den ersten Wochen personell noch ein bisschen stärker vor Ort begleiten. Zudem ist es wichtig, wirklich gut auszuschildern. Es ist sehr hilfreich, wenn man sein Kennzeichen bei der Einfahrt auf dem digitalen Screen sieht. Ansonsten muss ich sagen: Bei Veränderungen sind wir auf der Kundenseite als Deutsche nach wie vor ein bisschen hinterher im internationalen Vergleich.

…was insbesondere fürs Bezahlen gilt. Ich glaube, in Skandinavien bezahlt kein Mensch mehr bar.

Nein, das gibt es da eigentlich gar nicht mehr. Ich bin sehr froh, dass wir als APCOA in der Gruppe ein paar sehr weit entwickelte Länder und darüber die ganze Technologie im Konzern haben. Und ich bin auch sehr froh, dass wir bei der Kennzeichenerkennung, digitalen Produkten und Services wie der Flow-App im Markt die Nase vorn haben. Das ist auch etwas, für das wir von den Eigentümern der Immobilien immer sehr positives Feedback bekommen.

In Wiesbaden prophezeite ein Vertreter von DESIGNA auf der Open-Stage, dass das Parkticket ausgedient habe und in absehbarer Zeit nicht mehr genutzt werde. Läuft es auch aus Ihrer Sicht darauf hinaus?

Das unterschreibe ich gerne, das Ticket wird es nicht mehr geben. Ob in zwei, drei oder fünf Jahren kann ich Ihnen nicht sagen, aber in der nahen Zukunft wird alles über Kennzeichenerkennung laufen. Wir glauben, es ist gut, keine Tickets mehr zu haben. Aus vielen Gründen: im Rahmen von ESG, zum Beispiel Papierreduktion, um die Standzeiten vor Schranken zu reduzieren. All das zahlt positiv auf die CO2-Reduktion ein und allgemein, um manuelle Prozesse zu reduzieren. Wenn Sie vor fünf Jahren dieses Gespräch geführt haben, wird einer meiner Vorgänger sicher gesagt haben, der deutsche Kunde sei noch nicht so weit. Ich glaube, wir sind jetzt so weit und werden deswegen in den nächsten Jahren das ganze Thema Digitalisierung aller Prozesse noch stärker vorantreiben.

In der APCOA Group hat sich mit dem Umzug von Stuttgart nach London eine große Veränderung ergeben – sowohl personell als auch vom Standort her. Hat das Auswirkungen auf APCOA Deutschland?

Nein, wir sind nicht tangiert. Wir sind als APCOA Deutschland eine separate operative Einheit. Zum Teil haben wir neue Ansprechpartner, einen neuen CEO, einen neuen CFO, aber das ist ja etwas ganz Normales.

Die Geschäftsmodelle neben dem klassischen Parken werden komplexer. Wenn Sie andere Dienste – gerade auch mit Partnern – anbieten, rechnet sich das womöglich erst nach einiger Zeit, oder?

Nein, das ist wirklich ein hochprofitables Zusatzgeschäft und rechnet sich von der ersten Minute. Die Kunst ist natürlich, mit allen Geschäftskunden fair gestaltete Verträge zu haben.

Was sind die drei Top-Themen, die Sie momentan mit Nachdruck verfolgen?

Das ist einmal der weitere Ausbau unseres Netzwerks. Wir sind vertrieblich stark aktiv in allen für uns sehr wichtigen Sektoren. Wir glauben weiterhin an City und Shopping, aber auch an wichtige Infrastrukturbereiche wie Kliniken, Universitäten, Stadien und Flughäfen. Das Zweite ist unser erweitertes Angebot im Rahmen von Urban Hubs oder Urban Solutions. Dazu zähle ich auch das Laden. Also Mehrwerte schaffen für den Endkunden und für den Geschäftskunden durch eine bessere Ausnutzung von Flächen. Und das dritte Thema ist für mich die Nutzung von digitalen Möglichkeiten – nicht nur im Backoffice, wo alle Unternehmen seit vielen Jahren dran sind, sondern auch im Kundenerlebnis und in den Möglichkeiten, die sich zum Beispiel aus Kennzeichenerkennung oder in unserem Fall aus unserer digitalen APCOA-Flow-App ergeben.

Abschlussfrage: Wie sehen Sie die Entwicklung der Branche insgesamt?

Ich glaube daran, dass Parken ein wichtiger Teil der Mobilität ist. Als Parken-Branche können wir uns noch kräftig weiterentwickeln und sehr viele Mehrwerte für die Städte und unsere Kunden schaffen. Ich glaube auch, dass sich durch die Veränderungen, die in der städtischen Infrastruktur geplant sind, weitere Chancen für uns ergeben. Es gibt in Deutschland nach wie vor unglaublich viel „weißen Raum“, der noch nicht als Parkraum gemanagt wird. Ich bin auch froh, dass die neue Bundesregierung sehr früh ein Sondervermögen für die Infrastruktur angestoßen hat und wünsche mir jetzt, dass dann auch angefangen wird, zu investieren. Hoffen wir, dass der Prozess der Umsetzung nicht so lange dauert.

Katrin Teichert
© APCOA

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