Montag, 19. Januar 2026

„Parkticket und Schranke werden verschwinden“

Interview mit Maximilian Schlereth (CEO) und Stefan Schenk (CCO) von Peter Park

Great Hill Partners, eine US-amerikanische Private-Equity-Gesellschaft, hat eine Mehrheitsbeteiligung an der Peter Park System GmbH erworben. Mit der Investition steigt das Wachstumskapital des Anbieters für digitales, schrankenloses Parkraummanagement auf über 100 Millionen Euro, was die Marktpräsenz des in München ansässigen Scale-ups weiter stärken soll. Wir sprachen mit den Mitgründern Maximilian Schlereth (CEO) und Stefan Schenk (CCO) über diese Entwicklung und weitere Trends in der Parkraumbewirtschaftung.

Die Interviewpartner:

Maximilian Schlereth ist als CEO für die strategische Ausrichtung von Peter Park verantwortlich. Er treibt die langfristige Unternehmensvision voran und gestaltet zentrale Partnerschaften.

Stefan Schenk ist als CCO zuständig für Business Development und Wachstum. Sein Schwerpunkt liegt in der Umsetzung der Wachstumsstrategie, insbesondere im Ausbau von Vertriebs- und Marktzugangsstrategien.

Welche wichtigen Trends haben Sie auf der PARKEN 2025 in Wiesbaden festgestellt?

Maximilian Schlereth: Wir sehen einen klaren Trend: Parktickets und Schranken werden bald der Vergangenheit angehören. Die Hardware tritt zunehmend in den Hintergrund, während Software und die Konzepte zur Flächenorganisation immer wichtiger werden. Kameras und Displays bleiben zwar wichtige Bestandteile der Infrastruktur, doch der Fokus liegt nicht mehr auf der Technik selbst, sondern auf den Möglichkeiten, die sie eröffnet: effizientere Abläufe, bessere Nutzererlebnisse und ein ganzheitlich vernetztes Mobilitätsökosystem.

Great Hill Partners ist kürzlich bei Ihnen eingestiegen. Welche Chancen ergeben sich daraus für beide Seiten?

Maximilian Schlereth: Dieser Schritt ist eine logische Entwicklung für uns. Wir haben als Start-up begonnen, uns zu einem Scale-up entwickelt und hatten bisher ein deutsches Family Office als Hauptinvestor, das auch weiterhin beteiligt ist. Great Hill Partners, ein US-amerikanischer Growth-Fonds, der über sein Londoner Büro in Europa investiert, hat nun die Rolle des Haupt-investors übernommen. Great Hill Partners agiert dabei als strategischer Wachstumspartner. Sie investieren, weil sie an unsere Vision, unser Team und unser Geschäftsmodell glauben. Was uns besonders überzeugt hat, ist die langfristige Ausrichtung und Philosophie von Great Hill Partners, die sehr gut zu unserer DNA, zu unserem unternehmerischen Ansatz und unseren Grundsätzen passt, mit denen wir Peter Park aufgebaut haben. Es ist uns wichtig zu betonen, dass wir vier Gründungsgesellschafter weiterhin an Bord sind und die Entscheidungsfreiheit in der operativen Führung und strategischen Weiterentwicklung von Peter Park ganzheitlich erhalten bleibt.

Worin sehen Sie Ihr Alleinstellungsmerkmal?

Maximilian Schlereth: Wir sind Pioniere im Bereich des kostenpflichtigen, schrankenfreien Parkens und bieten eine durchgängige Lösung für immer komplexere Projekte an großen Standorten, etwa Kliniken und Flughäfen. Zudem steht für uns der Kundenservice an erster Stelle: Wir stellen sowohl Geschäftskunden als auch Endnutzer in den Mittelpunkt und entwickeln digitale Lösungen, die auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind. Unser Ziel ist es auch, die Mobilität der nächsten zehn bis zwanzig Jahre mitzugestalten.

Wo sehen Sie das größte Potenzial?

Stefan Schenk: Wir sehen große Chancen im kostenpflichtigen Parken und konzentrieren uns mit unserem Software-First-Ansatz weiterhin auf die DACH-Region. Dort wollen wir unser Produkt für Parkende, private Liegenschaftseigentümer sowie für Städte und Gemeinden weiter verbessern. Uns geht es nicht nur um das Thema Parken, sondern um die Mobilität als Ganzes.

Verdrängen Sie alte Anbieter und Technologien oder erschließen Sie neue Märkte?

Maximilian Schlereth: Wir sehen uns nicht in einem Verdrängungsmarkt. Die Schranke stellt auf lange Sicht kein wirklich zukunftsfähiges Medium dar. Für uns ist es vielmehr ein unerschlossener Markt, denn die Frage ist nicht, ob die Schranke fällt, sondern wann. Es handelt sich um eine neue Entdeckung: Wie kann Parken in der Zukunft aussehen? Das lässt sich am besten mit einem Vergleich erklären: Das Auto hat das Pferd nicht verdrängt, sondern eine neue Art der Mobilität etabliert.

Stefan Schenk: Es geht um den Wandel weg vom schrankenbasierten hin zu einem schrankenfreien System. Wir setzen mit unserem Konzept bereits ganze Stadt-Portfolios um, wo wir einen einheitlichen Standard für alle Parkflächen etablieren. Ein großer Teil unserer Projekte findet auf Parkplätzen statt, die bisher nicht bewirtschaftet wurden, weil dies mit klassischer Technologie nicht wirtschaftlich war. Ein Beispiel ist ein Badesee-Parkplatz, der nur wenige Monate im Jahr genutzt wird. Mit unserer Lösung können solche Flächen kostengünstiger als mit Schranken bewirtschaftet werden.

Sie sehen also ein hohes Potenzial für die Bewirtschaftung von Parkflächen?

Stefan Schenk: Ja, das Potenzial ist nach wie vor sehr hoch. Das digitale Parkraummanagement ist noch weit vom Sättigungspunkt entfernt. Es gibt zahlreiche unbewirtschaftete Flächen sowie ein enormes Modernisierungspotenzial bei bestehenden Anlagen. Der Trend geht klar in Richtung schrankenfreier, softwarebasierter Lösungen, die Flächen smarter, wirtschaftlicher und nutzerfreundlicher machen.Wir haben den Anspruch, Parkraum nicht nur zu bewirtschaften, sondern neu zu denken.

Das Wachstumskapital von 100 Millionen Euro ist eine beträchtliche Summe. Wofür soll es eingesetzt werden?

Maximilian Schlereth: Die Mittel sind für zwei Hauptbereiche vorgesehen: die Expansion und den weiteren Ausbau unseres Produkts. Wir wollen unsere Position als führendes Unternehmen für kostenpflichtiges, schrankenfreies Parken nachhaltig stärken.

Sie haben bereits ein funktionierendes Produkt. Gibt es da noch Möglichkeiten zur Weiterentwicklung?

Maximilian Schlereth: Jeder Parkplatz und jeder Standort ist einzigartig und birgt eine eigene Komplexität. Die Herausforderung und Chance eines digitalen Produkts ist es, diese Komplexität abbilden zu können. Wir entwickeln unser Produkt so weiter, dass es konfigurierbar ist und auf die Besonderheiten vor Ort eingehen kann. Unsere Tariflogik ist so flexibel gestaltet, dass wir die unterschiedlichsten Konstellationen abbilden können. Dabei profitieren wir von den Erfahrungen, die wir an Hunderten von Standorten gesammelt haben.

Sie haben die Kundenorientierung hervorgehoben. Das schrankenlose Parken erfordert einen Kulturwandel. Wie sind Ihre Erfahrungen damit?

Stefan Schenk: Wir müssen diesen Wandel proaktiv begleiten und die Menschen durch gute Kommunikation vor Ort an die neue Technologie heranführen. In einer Befragung in einem Shoppingcenter gaben jüngere Befragte an, die ältere Generation würde die Lösung nicht verstehen. Überraschenderweise fanden die älteren Befragten das System großartig und verglichen die Bedienung mit dem Schreiben von Nachrichten auf WhatsApp. Es zeigt sich, dass vielen Menschen zu Unrecht wenig zugetraut wird. Wir möchten alle mitnehmen und für die neue Technologie begeistern.

Sie setzen kompromisslos auf Schrankenfreiheit. Warum?

Maximilian Schlereth: Die Schranke steht für 99 Prozent der Parkenden im Weg und verursacht hohe Anschaffungs- und Wartungskosten. Für uns ist jede Schranke eine zu viel. Die Parkbranche steht vor einer notwendigen digitalen Revolution, die eine vernetzte Mobilität erst möglich macht.

Sie arbeiten eng mit der Mobility Hub Parkservice zusammen. Ist diese Partnerschaft für den operativen Betrieb zuständig, während Peter Park die Technik liefert?

Maximilian Schlereth: Unsere Philosophie unterscheidet sich von der vieler Marktbegleiter, die bei schrankenfreiem Parken mit Inkassounternehmen kooperieren. Wir wollen den Endnutzer nicht an ein externes Inkassounternehmen abgeben. Mobility Hub Parkservice ist Payment-Plattform und Abwicklungspartner und steht als Anlaufstelle für parkende Kunden direkt zur Verfügung. Die enge Verbindung zu Mobility Hub Parkservice ermöglicht es uns, den gesamten Abrechnungsprozess selbst zu steuern und damit die Kundenfreundlichkeit zu gewährleisten.

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Die Gründer und Gesellschafter von Peter Park: Maximilian Schlereth (CEO), Patrick Bartler (COO), Stefan Schenk (CCO) und Christoph Heinle (CTO)
© Peter Park

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